Muss man behandeln?

Auch wenn sich in den meisten Fällen das Bettnässen nicht aus der Erziehung oder einer psychologischen Störung ergibt, kann es auf die Länge das Kind belasten.

Wenn es sich anders als die anderen Kinder fühlt, wenn es an gewissen Aktivitäten nicht mehr teilnehmen kann (mit der Schule in ein Lager gehen, bei einem Freund oder einer Freundin übernachten, usw.), kann dies zu einem Verlust an Selbstvertrauen führen.

Das Risiko besteht dann, dass Ihr Kind in eine Spirale der Entmutigung gelangt und dass sich dies auch auf andere Bereiche seines Lebens auswirkt. Eine nächtliche Enuresis, die nicht behandelt wird, kann also psychologische Probleme auslösen.

Wenn Ihr Kind nach seinem 5. Geburtstag noch regelmässig sein Bett nässt, ist ein Arztbesuch empfohlen. Der Arzt kann die Ursachen der Enuresis Ihres Kindes feststellen und Sie über die richtige Behandlung orientieren.

Hilfe bei Bettnässen (Enuresis), Quelle: Prof. Dr. med. Jean-Pierre Guignard, Facharzt für Nierenkrankheiten bei Kindern und Jugendlichen

Zurzeit werden zwei Therapien für die Behandlung der Enuresis angewendet

Apparative Verhaltenstherapie (mit einem Pipi-Stop Weckapparat)

Mit dem Weckapparat wird das Kontinenzsystem auf natürliche Weise trainiert. Das Kind lernt den Reflex seinen Urin zurückzuhalten, die Kapazität der Blase wird grösser und der Urin konzentrierter (Meinung von Prof. Gérard Lenoir).

Medikamentöse Behandlung mit dem Wirkstoff Desmopressin

Er wird als Tabletten verabreicht. Es handelt sich um ein antidiuretisches Hormon (ADH), das die Urinmenge während des Schlafs reduzieren kann.

  • Erfolgsraten 90%
  • Rückfälle 5%
  • Nebenwirkungen 0%
  • Erfolgsraten 65%
  • Rückfälle 50%
  • Nebenwirkungen 7%

Die Vorteile der Therapie mit Weckapparat

Wirkung

Viele Kinderärzte bestätigen, dass zur Behandlung der Enuresis der Weckapparat bei weitem das wirksamste Mittel ist, und gleichzeitig auch das, welches am wenigsten Rückfälle aufweist.

Nach der aktuellen Tendenz, wählen die Ärzte zur Behandlung der nächtlichen Enuresis eher eine Methode, die auf einem Lernprozess basiert, anstatt Medikamente anzuwenden. Die französische Studie ANAES, die 2003 abgeschlossen wurde, hat die Wirkung, die Sicherheit und die wirtschaftlichen Konsequenzen des Gebrauchs der Alarmsysteme (Weckapparate) in der Behandlung der nächtlichen Enuresis im Vergleich zu deren durch das antidiuretische Hormon (Desmopressin) bewertet.

Diese Studie (ANAES, S. 37) hat hervorgehoben, dass der Wirkstoff Desmopressin während der Behandlung eine gewisse Wirkung hat, aber dass diese beim Einstellen des Medikaments schnell nachlässt und dass langfristig gesehen, der Weckapparat wirksamer ist:
50% der Patienten, die mit Dessmopressin behandelt wurden, verzeichneten Rückfälle, im Gegensatz nur 5% für die mit dem Alarm (Weckapparat) behandelten Patienten.

Laut Cochrane Studie ist mit dem Weckapparat die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls 9-mal geringer als mit dem antidiuretischen Hormon.

Siehe die verschiedenen Studien

Sicherheit

Der Weckapparat verursacht keine Nebenwirkungen.

Mit dem antidiuretischen Hormon wurden bei ungefähr 7% der behandelten Kindern Nebenwirkungen beobachtet, wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Hautausschläge, etc. In sehr seltenen Fällen wurde eine Wasserintoxikation festgestellt.

Das antidiuretische Hormon als Nasenspray (in vielen europäischen Ländern schon länger vom Markt genommen) wird nun auch in der Schweiz wegen den beträchtlichen Nebenwirkungen für die Behandlung des Bettnässens nicht mehr angeboten.

Siehe Studie ANAES, Frankreich: vollständige Studie, S. 17

Wirtschaftliche Konsequenzen

In der Schweiz, im Vergleich zwischen einer 3-monatigen Behandlung (basierend auf einer durchschnittlichen täglichen Dosis im Falle des Medikaments), ergibt sich folgendes Resultat:
Die Behandlungskosten mit dem Weckapparat sind wesentlich geringer.